Smalltalk ist eine zentrale Station in der Geschichte objektorientierter Programmierung. Während Simula Klassen und Objekte aus dem Problem der Simulation heraus entwickelt, rückt Smalltalk Objekte in den Mittelpunkt einer umfassenderen Programmier- und Lernumgebung. Objektorientierung ist hier nicht nur eine Technik zur Strukturierung größerer Programme, sondern eine Art, mit digitalen Modellen interaktiv zu arbeiten.
Der Kern von Smalltalk liegt in der Vorstellung, dass alles als Objekt verstanden werden kann und Objekte durch Nachrichten miteinander interagieren. Ein Objekt besitzt Zustand und Verhalten. Es reagiert auf Nachrichten, indem es passende Methoden ausführt. Dadurch entsteht eine sehr konsequente objektorientierte Sicht: Programme werden nicht nur als Ablauf von Anweisungen gelesen, sondern als Zusammenspiel von kommunizierenden Objekten.
Historisch ist Smalltalk außerdem mit der Idee persönlicher und explorativer Computerarbeit verbunden. Programmierung soll nicht nur professionellen Spezialistinnen vorbehalten sein, sondern Lernen, Ausprobieren und Verstehen unterstützen. Diese Perspektive ist für E3 didaktisch wichtig. Lernende sollen Programme nicht nur abschreiben und ausführen, sondern Strukturen untersuchen, Objekte gedanklich modellieren, Methoden verändern und Verhalten erklären können.
Für die spätere Java-Perspektive ist Smalltalk eine wichtige Tiefenschicht, obwohl Java eine andere Sprache mit anderen Designentscheidungen ist. Java übernimmt nicht Smalltalks gesamte Radikalität. Trotzdem bleibt die Grundidee anschlussfähig: Objekte verbinden Zustand und Verhalten; Methoden beschreiben Reaktionen; Programme können über die Interaktion strukturierter Einheiten verstanden werden. Java materialisiert diese Idee stärker typisiert, klassenorientiert und in einem anderen Laufzeit- und Ökosystem.
Im D-Book hilft Smalltalk, Objektorientierung nicht auf formale Java-Syntax zu reduzieren. Eine Klasse ist nicht nur eine Schreibpflicht, ein Objekt nicht nur ein Begriff im Vokabelheft, und eine Methode nicht nur eine Codeklammer. Objektorientierung bietet eine Denkweise: Sachverhalte werden in Einheiten zerlegt, die Eigenschaften besitzen, Nachrichten beziehungsweise Methoden verarbeiten und gemeinsam Verhalten erzeugen. Genau diese Denkweise trägt E3, wenn aus einfachen Variablen und Kontrollstrukturen später Klassen, Objekte und Methoden entstehen.
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