Die Engelbart-Demo von 1968 gehört zu den wichtigsten Vorlinien interaktiver Wissensarbeit. Während Bushs Memex die Idee assoziativer Pfade formuliert und Nelson den Begriff Hypertext schärft, zeigt Engelbarts NLS-System, wie verknüpfte Informationen in einer interaktiven Arbeitsumgebung genutzt werden können. Der Computer erscheint nicht nur als Rechenmaschine, sondern als Medium des Denkens, Schreibens, Navigierens und Zusammenarbeitens.
Engelbarts zentrale Idee ist die Erweiterung menschlicher Problemlösefähigkeit. Komplexe Aufgaben sollen nicht nur durch bessere Maschinen gelöst werden, sondern durch Werkzeuge, die Menschen beim Strukturieren, Bearbeiten und Teilen von Informationen unterstützen. Das NLS-System verbindet deshalb mehrere Ebenen: Eingabegeräte, Bildschirmdarstellung, Textstrukturen, Verweise, Navigation, kollaborative Bearbeitung und Kommunikation. Die berühmte Computermaus ist dabei nur ein sichtbares Element eines größeren Systems.
Fachlich ist die Demonstration bedeutsam, weil sie zeigt, dass Hypertext nicht nur eine Dokumentstruktur ist. Verweise werden in eine Nutzungssituation eingebettet. Nutzerinnen und Nutzer bewegen sich durch Dokumente, bearbeiten Inhalte, folgen Verknüpfungen, organisieren Informationen und können Arbeitsschritte gemeinsam ausführen. Damit wird die Beziehung zwischen Dokument, Werkzeug und Handlung sichtbar. Information ist nicht nur gespeichert, sondern operativ bearbeitbar.
Zur späteren Webgeschichte besteht eine deutliche, aber nicht einfache Verbindung. Das World Wide Web übernimmt nicht Engelbarts gesamtes NLS-Modell. Das frühe Web ist zunächst einfacher, offener und stärker auf verteilte Dokumente ausgerichtet. Dennoch bereitet Engelbarts Arbeit wichtige Denkformen vor: interaktive Navigation, verlinkte Informationsräume, kollaborative Wissensarbeit und die Vorstellung, dass digitale Werkzeuge menschliches Denken unterstützen können.
Im D-Book bildet Engelbart daher die Handlungsschicht der Vorlinien. Der Memex fragt nach assoziativen Pfaden. Nelson formuliert Hypertext als nichtlineare Dokumentstruktur. Engelbart zeigt, wie solche Strukturen in einem interaktiven Informatiksystem bearbeitet werden können. Damit wird die Lineage nicht nur zu einer Geschichte von Texten und Links, sondern zu einer Geschichte von Werkzeugen, Oberflächen und Wissenshandlungen.







