Vom fachlichen Modell eines Realitätsausschnitts zur relationalen Tabellenstruktur
Datenbanken speichern nicht die Wirklichkeit selbst, sondern einen geordneten Ausschnitt davon.
Das Entity-Relationship-Modell hilft,
diesen Ausschnitt fachlich zu strukturieren.
Daten sind formale Darstellungen; Information entsteht, wenn diese Daten fachlich gedeutet werden.
Ein Modell wählt die relevanten Aspekte eines fachlichen Ausschnitts aus. Q2.1 zeigt, wie solche
fachlichen Bedeutungen in ER- und Relationenmodelle überführt werden.
Anschließend wird das Modell in eine relationale Darstellung
mit Tabellen überführt. Diese Seite legt damit die Grundlage für das Folgekapitel
Q2.2 SQL.
Kerncurriculum kompakt Einordnung und Lernziele des Themenfelds Q2.1
A) Allgemeine Einordnung
Q2.1 bildet den Einstieg in den Datenbankentwurf und gilt als gemeinsames Fundament für
Grund- und Leistungskurs. Lernende strukturieren einen fachlichen Kontext mit dem
ER-Modell und überführen ihn in ein relationales Schema.
Normalisierung: Anomalien sowie erste, zweite und dritte Normalform.
Datenbankentwurf ER-Modell als Werkzeug zur fachlichen Strukturierung
Komplexere Organisationen müssen fortlaufend Daten erfassen und auswerten: Unternehmen verwalten
Kunden, Bestellungen und Produkte; Schulen verwalten Lernende, Kurse und Leistungen; Verwaltungen
verwalten Personen, Anträge und Bescheide; Bibliotheken verwalten Medien, Exemplare und Ausleihen.
Häufig beginnt diese Datenerfassung mit Tabellen: Sie sind unmittelbar verständlich, schnell
veränderbar und für erste Übersichten gut geeignet.
Genau dieser naheliegende Einstieg wird in der Praxis aber schnell problematisch. Tabellen wachsen
oft historisch und zweckgetrieben: Daten werden ergänzt, kopiert, gruppiert und zusammengeführt,
ohne dass vorher bewusst entschieden wurde, welche fachlichen Dinge, Eigenschaften und Vorgänge
eigentlich getrennt modelliert werden müssten.
Eine Tabelle ist deshalb ein sinnvoller Anfang, aber noch kein reflektiertes Datenmodell. Probleme
entstehen besonders dann, wenn verschiedene fachliche Dinge in einer gemeinsamen Liste vermischt
werden. Dann ist nicht mehr klar, ob eine Zeile ein Buch, ein Exemplar, eine Person, eine Ausleihe
oder eine Bestellung beschreibt.
Beobachtungsauftrag: Warum reicht die Liste nicht aus?
Die Liste wirkt zunächst praktisch, weil alle Informationen an einem Ort stehen. Prüfe aber genauer,
welche Informationen mehrfach vorkommen, welche Einträge uneindeutig sind und welche Fragen mit
dieser Liste nur schwer zuverlässig beantwortet werden können.
Welche Informationen kommen mehrfach vor?
Welche Fragen wären mit dieser Liste schwer zuverlässig zu beantworten?
Ist ein Buch dasselbe wie ein Exemplar?
Welche Informationen gehören dauerhaft zu einem Buch und welche nur zu einem konkreten Ausleihvorgang?
Welche fachlichen Dinge, Eigenschaften und Vorgänge werden in der Liste vermischt?
Einstiegsbeispiel: Listenchaos in der Schulbibliothek
Die Schulbibliothek ist dafür ein typisches Einstiegsbeispiel. Sie hat das praktische Bedürfnis,
Bücher, konkrete Exemplare, Personen, Ausleihen, Rückgaben und Bestellungen zu verwalten. Eine
gewachsene Liste wirkt zunächst wie eine pragmatische Lösung: Alles steht an einem Ort und kann
schnell ergänzt werden.
Gleichzeitig macht diese Liste sichtbar, dass mehrere fachliche Dinge vermischt werden. Buchdaten,
Exemplardaten, Ausleihvorgänge, Bestellungen und Personenangaben stehen nebeneinander, obwohl sie
unterschiedliche Bedeutungen und unterschiedliche Änderungsregeln haben.
In der gewachsenen Liste treten typische Probleme auf:
manche Angaben kommen mehrfach oder in unterschiedlichen Schreibweisen vor,
fachliche Dinge, Eigenschaften und Vorgänge stehen nebeneinander,
bei einigen Zeilen ist unklar, worauf sich eine Angabe genau bezieht,
manche Einträge wirken unvollständig oder nur mit Zusatzannahmen verständlich,
Suchfragen zur Verfügbarkeit, Ausleihe oder Bestellung wären nur mit Aufwand zuverlässig beantwortbar.
"Informatik heute"; "Müller, Anna"; Exemplar B-001; ausgeliehen an Lena Weber; fällig 12.09.
"Informatik heute"; "A. Müller"; Exemplar B-002; Status verfügbar
"Informatik heute"; "Anna Müller"; Bestellung 1 Stück; Status bestellt
"Datenbanken verstehen"; "Schmidt"; Exemplar D-014; ausgeliehen an Max Klein; Rückgabe leer
"Datenbanken verstehen"; "Thomas Schmidt"; Exemplar D-015; Status beschädigt
"Datenbanken verstehen"; "Th. Schmidt"; Bestellung 2 Stück; Status bestellt
"Webentwicklung kompakt"; "Nguyen"; Kategorie Web; Exemplar W-003; verfügbar
"Webentwicklung kompakt"; "Nguyen, T."; Kategorie Internet; Exemplar W-004; ausgeliehen an Sara Yilmaz; fällig 03.10.
"Algorithmen spielerisch"; Autor fehlt; Exemplar A-007; Ausleihe eingetragen; Nutzer unbekannt
"Algorithmen spielerisch"; "Keller"; Exemplar fehlt; Bestellung 3 Stück; Status offen
"Python im Unterricht"; "Neumann"; Kategorie Programmierung; Exemplar P-011; Standort Regal 4
"Python im Unterricht"; "Neumann"; Kategorie Coding; ausgeliehen an Tim Braun; Exemplar P-011; Rückgabe 20.09.
Ziel des Einstiegs ist nicht sofort ein vollständiges ER-Diagramm. Zunächst geht es um
Problemdiagnose: Lernende sollen erkennen, welche Unklarheiten, Doppelungen und
Auswertungsprobleme eine strukturierte Datenhaltung nötig machen.
Diagnoseperspektive
Für die fachliche Einordnung reicht zunächst eine Leitfrage: Welche Informationen sind doppelt,
uneindeutig, vermischt oder schwer auswertbar? Der Vergleich von Sammelliste und stärker
getrennter Struktur zeigt, warum Ändern, Löschen, Einfügen und Abfragen Hinweise auf
Modellierungsbedarf geben.
Was an solchen Tabellen problematisch wird
Die Liste ist nicht falsch, weil sie als Tabelle beginnt. Problematisch wird sie, weil sie keine
tragfähige Trennung der fachlichen Dinge enthält: Buch, Exemplar, Person, Bestellung und
Ausleihe werden in gemeinsamen Zeilen vermischt, obwohl sie unterschiedliche Eigenschaften und
Änderungsregeln haben. Die folgenden Begriffe sind deshalb zunächst Diagnosesprache. Sie helfen,
ein Tabellenproblem fachlich zu beschreiben, ohne hier schon die vollständige Normalisierung zu
behandeln.
Redundanz liegt vor, wenn dieselbe Information mehrfach gespeichert wird. Das
kostet nicht nur Speicherplatz, sondern macht spätere Änderungen fehleranfällig. Aus Redundanz
können Inkonsistenzen entstehen: mehrfach gespeicherte Informationen passen dann
nicht mehr zusammen oder widersprechen sich.
Woran du die Probleme erkennst
Redundanz
Erkennungsfrage: Wird dieselbe Information mehrfach gespeichert?
Beispieltyp: Achte auf Angaben, die in mehreren Zeilen erneut auftauchen, obwohl sie eigentlich zu demselben fachlichen Gegenstand gehören könnten.
Modellierungsproblem: Je häufiger dieselbe Information wiederholt wird, desto größer ist die Gefahr, dass spätere Änderungen nicht überall gleich durchgeführt werden.
Inkonsistenz
Erkennungsfrage: Steht dieselbe Information an mehreren Stellen unterschiedlich?
Beispieltyp: Achte auf unterschiedliche Schreibweisen, Kategorien, Statusangaben oder Bezeichnungen, die möglicherweise denselben Sachverhalt meinen.
Modellierungsproblem: Uneinheitliche Daten erschweren Suche, Auswertung und eindeutige Zuordnung.
Änderungsanomalie
Erkennungsfrage: Müsste eine Änderung an mehreren Stellen vorgenommen werden?
Beispieltyp: Achte auf Informationen, die bei einer Korrektur oder Umbenennung mehrfach angepasst werden müssten.
Modellierungsproblem: Wird eine Stelle vergessen, entstehen widersprüchliche Daten.
Einfügeanomalie
Erkennungsfrage: Kann eine neue Information nur eingetragen werden, wenn zugleich andere noch fehlende oder unpassende Informationen eingetragen werden?
Beispieltyp: Achte auf Einträge, bei denen etwas bestellt, angekündigt oder erfasst werden soll, obwohl noch kein konkretes Exemplar, kein vollständiger Vorgang oder keine eindeutige Person vorhanden ist.
Modellierungsproblem: Wenn verschiedene fachliche Dinge an dieselbe Tabellenzeile gebunden sind, lassen sich neue Sachverhalte nicht unabhängig eintragen.
Löschanomalie
Erkennungsfrage: Gehen beim Löschen eines Eintrags unbeabsichtigt andere Informationen verloren?
Beispieltyp: Achte auf Zeilen, in denen ein Vorgang zugleich der einzige Speicherort für Buch-, Exemplar- oder Personendaten sein könnte.
Modellierungsproblem: Wenn Stammdaten nur in Vorgangszeilen stehen, können sie beim Löschen eines Vorgangs verloren gehen.
Für die spätere Modellierung ist entscheidend, zwischen fachlichen Dingen, Eigenschaften und
Vorgängen zu unterscheiden. In der Schulbibliothek sind zum Beispiel Buch, Exemplar und Nutzer
eher fachliche Dinge; Titel, Autorname, Kategorie, Status oder Fälligkeitsdatum sind
Eigenschaften; Ausleihe, Rückgabe und Bestellung sind Vorgänge.
Diese Begriffe bereiten die spätere Normalisierung vor, ersetzen sie aber noch nicht. Die
Normalformen werden später systematischer behandelt. Im Einstieg geht es zunächst darum,
Datenprobleme sicher zu erkennen und fachlich zu beschreiben.
Wenn Redundanzen, Inkonsistenzen oder Anomalien auftreten, ist das häufig kein bloßer
Eingabefehler. Es ist ein Hinweis darauf, dass fachliche Rollen noch nicht sauber getrennt sind.
Datenbankmodellierung setzt genau hier an: Sie trennt fachliche Dinge, Eigenschaften und Vorgänge
so, dass Informationen konsistent gespeichert und zuverlässig ausgewertet werden können.
Passende Werkzeugaufgaben zur Diagnose
Die Lösung besteht nicht darin, die Tabelle nur schöner zu formatieren. Zuerst werden die
Datenprobleme sichtbar: Welche Angaben sind mehrfach vorhanden, uneindeutig, schwer auswertbar
oder von Anomalien betroffen?
Die folgenden Aufgaben passen zu dieser Diagnosebewegung. Die Strukturierungs- und
Modellierungsaufgaben folgen erst nach der Einführung der ER-Grundnotation.
Listenprobleme analysieren
Redundanzen, Uneindeutigkeiten, Vermischungen und Auswertungsprobleme erkennen.
Dieser Abschnitt erklärt die Bausteine des ersten Modellkerns. Im reduzierten
Schulbibliotheksmodell sind das Entität, Entitätstyp, Attribut und Beziehungstyp. Kardinalität
und Optionalität präzisieren Beziehungen im nächsten Schritt.
Entität
Eine Entität ist ein einzelnes konkretes Objekt im modellierten
Ausschnitt, also ein bestimmter Fall und kein Sammelbegriff. Im Editor entsteht eine
Entität nicht als eigenes Symbol, sondern als Datensatz eines Entitätstyps.
Entitätstyp
Ein Entitätstyp fasst gleichartige Entitäten mit derselben
Struktur zusammen und legt damit die Datenform fest. Die Schaltfläche
„Entitätstyp hinzufügen“ erzeugt genau diese fachliche Klasse.
Attribut
Ein Attribut beschreibt eine Eigenschaft eines Entitätstyps oder
eines Beziehungstyps. Der konkrete Inhalt eines Feldes ist dann der Attributwert
(z. B. Titel = „Informatik heute“). Damit werden fachlich relevante Informationen
präzise benannt.
Beziehungstyp
Ein Beziehungstyp beschreibt die Art der Verbindung
zwischen Entitätstypen und damit auch ihre fachliche Bedeutung (z. B. „löst“, „bewertet“,
„gehört zu“). In diesem Kapitel wird bewusst mit „Beziehung/Beziehungstyp“ gearbeitet, um
den späteren Begriff „Relation“ im Relationenmodell klar abzugrenzen.
Für die Modellqualität ist die Unterscheidung zentral: Entitätstyp und Attribut benennen die
Struktur, Entität und Attributwert stehen für konkrete Einzelfälle. Schwache Entitätstypen,
mehrwertige Attribute und is-a-Beziehungen sind spätere Erweiterungen und werden im Abschnitt zu
Sonderfällen wieder aufgegriffen.
Vom Datenproblem zum Modellkern
Nach der Diagnose wird die ER-Sprache produktiv: Fachliche Dinge werden als Entitätstypen,
Eigenschaften als Attribute und zentrale Vorgänge oder Zusammenhänge als Beziehungstypen
beschrieben. So entsteht aus dem Listenproblem ein erster Modellkern.
An dieser Stelle geht es noch nicht um ein fertiges Zielbild. Die Aufgaben unterstützen den
Übergang von der Problemdiagnose zur eigenen Modellierung, ohne die Musterstruktur vorwegzunehmen.
Strukturierung ableiten
Aus der Problemdiagnose erste Entitätstypen, Attribute und Beziehungsideen ableiten.
Beziehungen präzisieren: Kardinalität und Optionalität
Ein Beziehungstyp benennt zunächst nur, dass zwei fachliche Rollen zusammenhängen. Kardinalität
und Optionalität machen diese Beziehung genauer: Kardinalität fragt nach der Anzahl, Optionalität
nach der Teilnahmebedingung.
Kardinalität
Die Kardinalität legt fest, wie viele Entitäten an einer
Beziehung beteiligt sein können. Für den Unterricht wird hier mit 1:1, 1:n und n:m
gearbeitet.
Optionalität
Optionalität beschreibt, ob die Teilnahme an einer Beziehung
freiwillig oder verpflichtend ist. In der hessischen Darstellung wird das mit
„kann“ beziehungsweise „muss“ unter der Beziehungskante gekennzeichnet, während die
Kardinalität darüber angibt, wie viele Entitäten beteiligt sein können.
Bei n:m können auf beiden Seiten mehrere Gegeninstanzen beteiligt sein.
Beispiele im reduzierten Schulbibliotheksmodell
BUCH–EXEMPLAR: Ein Buch kann mehrere Exemplare haben; ein Exemplar gehört zu einem Buch.
NUTZER–AUSLEIHE: Ein Nutzer kann mehrere Ausleihen tätigen; eine Ausleihe gehört zu einem Nutzer.
AUSLEIHE–EXEMPLAR: Eine Ausleihe betrifft ein konkretes Exemplar.
AUTOR–BUCH: Ein Buch kann mehrere Autoren haben; ein Autor kann mehrere Bücher schreiben.
Modell prüfen: typische Fehler und fachliche Tragfähigkeit
Ein ER-Modell ist nicht schon dadurch tragfähig, dass alle Kästchen, Rauten und Kanten vorhanden
sind. Modellqualität zeigt sich daran, ob die fachlichen Entscheidungen begründet werden können:
Welche Dinge müssen getrennt werden? Welche Beziehungen sind nötig? Welche Kardinalität und
Optionalität passen zum Realitätsausschnitt?
Im reduzierten Schulbibliotheksmodell ist die Prüfung überschaubar. Sie richtet den Blick auf
typische Fehlmodellierungen, ohne schon das vollständige Schulbibliothekssystem mit Bestellung,
Kategorie, Verlag und weiteren Sonderfällen vorwegzunehmen.
Typische Fehler im reduzierten Modell
Autor wird nur als Textattribut von BUCH modelliert.
BUCH und EXEMPLAR werden nicht getrennt.
AUSLEIHE hängt direkt an BUCH statt an einem konkreten EXEMPLAR.
Der rote Faden bleibt damit überschaubar: Listenchaos analysieren, reduziertes Modell
aufbauen, reduziertes Modell präzisieren und prüfen, den kleinen Modellkern zuerst relational
darstellen, das Modell zum Schulbibliotheks-Zielmodell erweitern und diese Struktur anschließend
vollständig relational verstehen.
Zielbild: reduziertes ER-Modell der Schulbibliothek
Nach Strukturierung, erster Modellierung und Modellprüfung dient das reduzierte Modell als
Vergleichs- und Orientierungsmodell. Es ist keine vorweggenommene Arbeitsanleitung, sondern eine
fachliche Verdichtung des erreichten Modellstands.
Das Modell bleibt bewusst reduziert. Es zeigt nicht die vollständige Schulbibliothek, sondern
eine tragfähige Grundstruktur mit Buch, Exemplar, Nutzer, Ausleihe und Autor. Bestellung,
Kategorie, Verlag und weitere fachliche Rollen werden im Zielmodell ergänzt.
Das Zielbild zeigt den reduzierten Modellstand nach Strukturierung, erster Modellierung und
Modellprüfung. Es dient als Orientierung für den weiteren Darstellungswechsel in die relationale
Darstellung.
Warum dieses Modell reduziert ist
Das vollständige Schulbibliotheksmodell wäre für den Einstieg zu umfangreich. Deshalb werden
zunächst nur fünf zentrale Entitätstypen betrachtet. So bleibt sichtbar, worum es beim
Modellieren geht: Informationen werden nicht kopiert, sondern fachlich geordnet. Darauf
aufbauend lässt sich das Modell um weitere Rollen, Vorgänge und Attribute erweitern.
Erster Transformationsschritt: das reduzierte Modell relational darstellen
Aus dem reduzierten ER-Modell entstehen zuerst überschaubare Relationen. Entitätstypen werden
Relationen, Attribute werden Spalten, 1:n-Beziehungen werden über Fremdschlüssel abgebildet und
n:m-Beziehungen werden über Zwischentabellen dargestellt. Am reduzierten Modell ist besonders
BUCH_AUTOR als Zwischentabelle wichtig.
Diese Struktur ist noch nicht der Endzustand der Schulbibliotheksdatenbank. Sie ist der erste
Transformationsschritt am überschaubaren Modellkern. Danach folgt der Ausbau zum Zielmodell.
Passende Aufgabe: reduzierte Transformation
Das geprüfte reduzierte Modell wird in Relationen, Schlüssel und Verweise überführt.
Vom reduzierten Modell zum Schulbibliotheks-Zielmodell
Jetzt wird sichtbar, welche fachlichen Rollen im reduzierten Modell noch fehlen. Verlag,
Kategorie, Bestellung und Bestellposition ergänzen das Modell, weil sie Verwaltungsfragen
beschreiben, die der kleine Modellkern noch nicht abbildet.
Die spätere vollständige relationale Zielstruktur baut auf dem kleinen Transformationsschritt
auf: Die bereits geübten Regeln gelten weiter, werden aber auf das ausgebaute
Schulbibliotheksmodell übertragen.
Ergänzte Entitätstypen
VERLAG beschreibt, von wem ein Buch verlegt wird.
KATEGORIE ordnet Bücher fachlichen oder organisatorischen Gruppen zu.
BESTELLUNG modelliert den Vorgang, mit dem ein Nutzer Bücher nachbestellt.
BESTELLPOSITION hält die Menge zur Kombination aus Bestellung und Buch fest.
Erweiterte Beziehungen
BUCH wird verlegt von VERLAG.
BUCH gehört zu KATEGORIE.
NUTZER tätigt BESTELLUNG.
BESTELLUNG enthält BUCH.
BESTELLPOSITION beschreibt die Menge innerhalb der Verbindung von BESTELLUNG und BUCH.
Vertiefung: Sonderfälle im ER-Modell Schwacher Entitätstyp, mehrwertiges Attribut und is-a als begründete Erweiterungen der ER-Notation
Vertiefung: Sonderfälle im ER-Modell
Neben dem Schulbibliotheks-Zielmodell gibt es weitere Modellierungssituationen, in denen die
Grundnotation erweitert werden muss. Diese Sonderfälle sind Vertiefungen der ER-Notation und
nicht der Kern des konkreten Schulbibliotheks-Zielschemas.
Manche Entitätstypen sind nur abhängig von einem anderen Entitätstyp eindeutig identifizierbar.
Manche Attribute können mehrere Werte besitzen.
Manche Beziehungstypen beschreiben eine Spezialisierung: Ein Typ ist eine besondere Form eines allgemeineren Typs.
Schwacher Entitätstyp
EXEMPLAR kann als schwacher Entitätstyp zu BUCH modelliert werden, wenn eine Exemplarnummer
nur innerhalb eines Buches eindeutig ist. Ein stark modelliertes Exemplar besitzt eine eigene
globale ExemplarID. Ein schwach modelliertes Exemplar ist dagegen nur zusammen mit dem
zugehörigen Buch eindeutig identifizierbar. Beide Varianten sind Modellierungsentscheidungen;
entscheidend ist die fachliche Identifikationsregel des Systems.
Mehrwertiges Attribut
Ein Attribut ist mehrwertig, wenn zu einer Entität mehrere Werte derselben Art gehören können.
Bei einem Buch können das mehrere Schlagwörter oder Themen sein. Im ER-Modell wird das als
mehrwertiges Attribut sichtbar. Die relationale Umsetzung wird später gesondert betrachtet.
is-a-Beziehungstyp
Eine is-a-Beziehung beschreibt Spezialisierung. Schüler und Lehrkräfte sind Nutzer, können
aber zusätzliche Eigenschaften oder Regeln besitzen. Dadurch wird nicht einfach ein neues
unabhängiges Objekt eingeführt, sondern eine Unterart eines allgemeinen Entitätstyps modelliert.
Weitere Erweiterungen / Ausblick
Beziehungen mit eigenen Attributen und zusammengesetzte Primärschlüssel bleiben als weitere
Erweiterungen sichtbar. Sie werden vor allem wichtig, wenn Modellierungsvarianten in eine
relationale Darstellung überführt und dort mit Schlüsseln beschrieben werden.
Beziehung mit Attributen
Nicht nur Entitäten, auch Beziehungen können eigene Attribute tragen. Das ist eine mögliche
Vertiefung, wenn eine Information zur Verbindung zweier fachlicher Rollen gehört.
Zusammengesetzter Primärschlüssel
Zusammengesetzte Primärschlüssel werden vor allem beim Darstellungswechsel wichtig, wenn
die Identität einer Relation aus mehreren Fremdschlüsseln entsteht.
Vertiefungsaufgaben: ER-Modell mit Sonderfällen erweitern
EXEMPLAR als schwacher Entitätstyp
Eine Identifikationsabhängigkeit zwischen BUCH und EXEMPLAR modellieren.
Umsetzung des ER-Modells Vom fachlichen Entwurf zur relationalen Tabellenstruktur
Nach Aufbau, Präzisierung und fachlichem Ausbau des ER-Modells folgt der Darstellungswechsel. Für den
Einsatz in einem DBMS überführt die
relationale Darstellung das ER-Modell in Relationen.
Dabei gilt als Grundregel: Entitätstypen werden zu Relationen beziehungsweise Tabellen,
Attribute zu benannten Spalten oder Merkmalen, konkrete Datensätze beziehungsweise Zeilen
sind Tupel. Im ER-Diagramm-Editor wird diese
Überführung bewusst vorgenommen und schrittweise begründet.
Dabei werden Primärschlüssel so gewählt, dass jede Zeile
eindeutig identifizierbar ist: Sie sichern Identität. Fremdschlüssel
übernehmen anschließend die Verknüpfung zwischen Tabellen und sichern Referenzen. So wird die
Semantik der Beziehungstypen aus dem ER-Modell technisch überprüfbar.
Als erster Transformationsschritt wird die reduzierte Schulbibliothek relational dargestellt:
BUCH, EXEMPLAR, NUTZER, AUSLEIHE und AUTOR bilden den Kern. Das ER-Diagramm beschreibt fachliche
Dinge und Beziehungen; die relationale Darstellung beschreibt Tabellenstruktur, Schlüssel und
Verweise. Danach lässt sich dieselbe Leselogik auf das vollständige Zielmodell übertragen.
Transformationsregeln für den reduzierten Kern
Ein Entitätstyp wird zu einer Relation beziehungsweise Tabelle.
Ein Attribut wird zu einer Spalte der passenden Relation.
Ein Primärschlüssel identifiziert jedes Tupel eindeutig.
Eine 1:1-Beziehung wird je nach Fachbedeutung durch einen Fremdschlüssel auf einer Seite abgebildet.
Eine 1:n-Beziehung wird durch einen Fremdschlüssel auf der n-Seite abgebildet.
Eine n:m-Beziehung wird durch eine eigene Zwischentabelle abgebildet.
Optionalität wirkt später auf verpflichtende oder optionale Referenzen; in Q2.1 reicht zunächst die fachliche Deutung.
EXEMPLAR enthält ↑BuchID: Ein Buch kann mehrere Exemplare haben; jedes konkrete Exemplar gehört zu einem Buch. Der Fremdschlüssel steht deshalb auf der n-Seite.
AUSLEIHE enthält ↑NutzerID und ↑ExemplarID: Eine Ausleihe verbindet einen Nutzer mit einem konkreten Exemplar. Sie verweist nicht nur auf einen Buchtitel.
AUTOR–BUCH braucht BUCH_AUTOR: Autorinnen und Autoren können mehrere Bücher schreiben, und ein Buch kann mehrere Autorinnen und Autoren haben. Diese n:m-Beziehung braucht eine Zwischentabelle.
AutorName reicht in BUCH nicht aus: Mehrfachautorenschaft, Namensvarianten und spätere Autorinformationen würden sonst mehrfach oder uneinheitlich gespeichert.
Relationale Zielstruktur der Schulbibliotheksdatenbank
Die vollständige Zielstruktur ist die relationale Darstellung des ausgebauten
Schulbibliotheksmodells. Sie knüpft an die vorher geübten Regeln an und erweitert sie um VERLAG,
KATEGORIE, BESTELLUNG und BESTELLPOSITION.
BESTELLPOSITION verbindet BESTELLUNG und BUCH und trägt Menge.
BUCH_AUTOR verbindet BUCH und AUTOR.
Relationale Darstellung lesen: Struktur und Bedeutung der Notation
Die relationale Darstellung zeigt nicht nur welche Tabellen entstehen, sondern auch
wie sie fachlich miteinander verknüpft sind. Auf Q2.1 nutzen wir dieselbe Notationslogik
wie im SQL-Werkzeug: Relationenschreibweise,
Schlüsselmarkierungen und Transformationshinweise sind dort und hier konsistent.
Eine Relation ist hier eine tabellenartige Struktur mit Attributen und Tupeln. Attribute
beschreiben das Schema, also die benannten Spalten oder Merkmale. Tupel sind die konkreten
Zeilen beziehungsweise Datensätze dieser Relation.
Notation der relationalen Darstellung
Relation(Attribut1, Attribut2, ...) beschreibt ein Relationsschema in Kurzschreibweise.
Unterstrichene Attribute sind Primärschlüssel (eindeutige Identifikation).
↑Attribut kennzeichnet einen Fremdschlüssel (Verweis auf eine andere Relation).
↑Attribut bedeutet: Fremdschlüssel und zugleich Teil des Primärschlüssels.
Mehrere unterstrichene Attribute in einer Relation bilden einen zusammengesetzten Primärschlüssel.
Breiteres Beispielschema mit erklärbarer Notation (Buchhandel)
Das folgende Schema zeigt eine zusätzliche Buchhandel-Perspektive. Es dient als Notations- und
Erweiterungsbeispiel, um Fremdschlüssel, Zwischentabellen, Beziehungsattribute und ausgelagerte
mehrwertige Attribute noch einmal außerhalb der Schulbibliothek zu lesen.
Wie diese Notation die ER-Transformation sichtbar macht
1:1 und 1:n: werden durch Fremdschlüssel in der Zielrelation abgebildet (z. B. ↑VerlagID in Buch, ↑KundenID in Bestellung) – keine eigene Beziehungstabelle nötig.
n:m: erscheint als eigene Relation (z. B. Buch_Autor) mit beiden Fremdschlüsseln als gemeinsamem Primärschlüssel.
Beziehungen mit Attributen: bleiben in der Beziehungstabelle erhalten (z. B. Rolle in Buch_Autor, Menge in Bestellposition).
Mehrwertige Attribute: werden ausgelagert (z. B. Kunde_Telefon für mehrere Telefonnummern pro Kunde).
Genau diese Leselogik wird im SQL-Werkzeug bei „Relationale Darstellung“ verwendet: Das
ER-Modell liefert die fachliche Struktur, die Überführung zeigt sie als Relationsnotation mit
Primär- und Fremdschlüsseln. Dadurch lässt sich direkt prüfen, ob Kardinalitäten, Beziehungen
und Integritätsbedingungen technisch korrekt umgesetzt wurden.
Integritätsbedingungen beschreiben, was in gültigen Datenbeständen gelten muss: Datensätze müssen eindeutig identifizierbar sein, und Beziehungen dürfen nicht ins Leere zeigen.
Vorbereitend dazu werden Primärschlüssel
und Fremdschlüssel festgelegt. So kann das DBMS
Eindeutigkeit und Referenzen prüfen, noch bevor später mit SQL detailliert gearbeitet wird. Die
Optionalität aus dem ER-Modell wirkt dabei weiter: „muss“ führt zu verpflichtenden Referenzen,
„kann“ erlaubt fehlende Zuordnungen (z. B. leere Fremdschlüsselfelder).
Normalisierung Redundanzen vermeiden und Konsistenz sichern (1NF bis 3NF)
Die Transformation erzeugt Relationen. Danach prüft die Normalisierung, ob diese Relationen
redundantarm, konsistent und updatefähig strukturiert sind: Sind die Daten widerspruchsfrei
und ohne unnötige Wiederholungen gespeichert?
Redundante Daten führen leicht zu Einfüge-, Änderungs- und Löschanomalien: Informationen müssen an
mehreren Stellen gepflegt werden, können sich widersprechen und machen die Datenbank inkonsistent.
Ziel der Normalisierung ist deshalb eine Tabellenstruktur ohne überflüssige Redundanz, bei der der
Informationsgehalt erhalten bleibt.
Eine gute ER-Modellierung reduziert viele Probleme bereits im Vorfeld. Im Werkzeug entspricht eine
saubere ER-Modellierung bereits weitgehend einer normalisierten Datenbank. Fehler in der
Modellierung führen im relationalen Schema dagegen häufig zu Redundanzen.
Erste Normalform (1NF)
In der 1NF enthält jedes Attribut nur atomare Werte: keine Listen, keine Mehrfachwerte in einer
Zelle. Ein typisches Gegenbeispiel ist ein Attribut „Sportgruppen“ mit mehreren Einträgen in einem
Feld.
Lösung: Die Liste wird auf mehrere Tupel aufgeteilt, und
zusammengesetzte Attribute werden in
Einzelfelder zerlegt (z. B. Name in Vorname/Nachname). Mehrfachwerte aus
mehrwertigen Attributen werden in der Regel in
eine eigene Tabelle ausgelagert.
Zweite Normalform (2NF)
Die 2NF setzt die 1NF voraus. Jetzt geht es um partielle Abhängigkeiten bei zusammengesetzten
Schlüsseln: Jedes Nichtschlüsselattribut muss vom gesamten Primärschlüssel abhängen.
Funktionale Abhängigkeit bedeutet: A → B, also A bestimmt B eindeutig. Für die 2NF
reicht nicht „ein Teil des Schlüssels bestimmt B“, sondern nur die volle Abhängigkeit vom gesamten
Schlüssel. Wenn das nicht gilt, wird die Tabelle in mehrere Tabellen aufgespalten.
Dritte Normalform (3NF)
Die 3NF setzt die 2NF voraus und entfernt transitive Abhängigkeiten. Problemfall: A → B → C.
Dann hängt C nur indirekt vom Schlüssel über B ab.
Lösung: Der transitiv abhängige Teil wird in eine eigene Tabelle ausgelagert. So bleiben
Änderungen lokal und verursachen keine widersprüchlichen Datenstände.
Normalisierung und ER-Transformation zusammendenken
Normalisierung erklärt, warum bei der Transformation zusätzliche Tabellen entstehen:
n:m-Beziehungen werden als eigene Tabellen umgesetzt, Entitäten werden klar getrennt und
Schlüsselbezüge sauber modelliert. Damit werden die späteren SQL-Abfragen robuster und
Integritätsbedingungen leichter einhaltbar.
Anschluss an Q2.2 und Q2.5
Q2.2 nutzt die entstandenen Relationen als Grundlage für SQL-Abfragen. Q2.5 beschreibt Operationen
auf Relationen formal mit Relationenalgebra. Q2.1 bleibt dabei das Modellierungsfundament, nicht das
Zentrum für SQL oder Relationenalgebra.
Hinweis zu Übungen
Passende Aufgaben findest du auf der Seite Übungen in der Kategorie „Erstellung von ER-Diagrammen“.
Das ER-Modell kannst du zusätzlich direkt im ER-Diagramm-Editor konstruieren. Für die Schulbibliothek arbeitest du vor allem mit konkreten Aufgaben und Startmodellen; die Überführung in Relationen folgt im Transformationsabschnitt.